Eine Nierenzyste im CT oder MRT verunsichert viele Betroffene. Wir erklären was der Befund bedeutet und wie er abgeklärt wird.
30. Januar 2026
Frau M., 56 Jahre alt, suchte ihre Hausärztin wegen wiederkehrender Oberbauchbeschwerden auf. Die Schmerzen traten vor allem nach dem Essen auf. Um mögliche Ursachen wie Gallensteine auszuschließen, wurde eine weiterführende Bildgebung des Bauchraums veranlasst.
Die Untersuchung bestätigte die vermuteten Gallensteine. Im schriftlichen Befund fand sich jedoch ein weiterer Hinweis, der für Frau M. völlig unerwartet kam: „Zystische Läsion der rechten Niere, Bosniak IIF.“
Mit ihren Oberbauchbeschwerden konnte Frau M. diesen Satz nicht in Verbindung bringen. Sie hatte keine Nierenschmerzen, keine bekannten Nierenerkrankungen und fühlte sich insgesamt gesund. Trotzdem blieb die Sorge zurück: Was bedeutet das für mich? Muss jetzt etwas gemacht werden?
Genau so entstehen viele Fragen rund um Nierenzysten. Sie tauchen als Nebenbefund auf, ohne dass man vorher an die Niere gedacht hat. In diesem Artikel erklären wir anhand dieses Beispiels, was eine Zyste ist, warum sie oft zufällig entdeckt wird, worum es sich bei dem Bosniak-Klassifikationssystem handelt und was das konkret für Sie als Patientin oder Patient heißt.
Eine Nierenzyste ist ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum im Nierengewebe, der angeboren sein kann oder im Laufe des Lebens im Rahmen der natürlichen Alterung entstehen kann. Die meisten Nierenzysten verursachen keine Symptome und bleiben lange unbemerkt.
Gut zu wissen: Nierenzysten werden meist zufällig entdeckt und machen nur selten Beschwerden.
Auch bei Frau M. hatte die Zyste keinen Bezug zu den ursprünglichen Oberbauchbeschwerden. Sie war ein typischer Zufallsbefund im Rahmen einer umfassenderen Untersuchung.
Nicht alle zystischen Veränderungen der Niere sind harmlos. In seltenen Fällen kann sich dahinter eine bösartige Tumorerkrankung verbergen, ein sogenanntes Nierenzellkarzinom. Ob eine Nierenzyste eindeutig gutartig aussieht oder genauer eingeordnet werden muss, entscheidet sich vor allem in der Bildgebung. Dabei geht es um bestimmte Merkmale, zum Beispiel: Wand, Septen (dünne Trennwände im Inneren), Verkalkungen und vor allem die Frage, ob sich Gewebe nach Kontrastmittelgabe „anreichert“ (ein Hinweis auf Durchblutung).
Im Ultraschall (Sonographie) lässt sich eine einfache Zyste häufig sehr gut erkennen. Typische Zeichen sind ein klarer, „schwarzer“ Inhalt, eine glatte dünne Wand und eine Schallverstärkung hinter der Zyste. Wenn etwas davon nicht passt (zum Beispiel innere Strukturen oder eine unregelmäßige Wand), wird häufig eine genauere Untersuchung empfohlen.
Die Bosniak-Klassifikation ordnet zystische Veränderungen der Niere in Kategorien ein. Ursprünglich basiert sie auf CT-Befunden, wird heute aber auch auf MRT übertragen. Für Sie als Patientin oder Patient ist der Kern: Bosniak hilft, das Risiko einzuordnen und zu entscheiden, ob keine Kontrolle, Verlaufskontrolle oder zeitnahe Behandlung sinnvoll ist.
In manchen Situationen kann ein kontrastmittelverstärkter Ultraschall (CEUS) hilfreich sein, weil er sehr fein zeigt, ob Septen oder kleine Knötchen in einer Zyste durchblutet sind. Das kann die Einordnung erleichtern, führt aber manchmal auch dazu, dass Veränderungen „auffälliger“ wirken, weil sehr kleine Kontrastmittelaufnahmen sichtbar werden.
Gut zu wissen: Entscheidend ist nicht, dass „eine Zyste da ist“, sondern wie sie in der Bildgebung aussieht und ob es Kontrastmittel-aufnehmende Gewebeanteile gibt.
| Bosniak | Was bedeutet das meistens für Sie? | Was passiert häufig als nächstes? |
|---|---|---|
| I | Sehr wahrscheinlich gutartig | Meist keine Kontrolle notwendig |
| II | In der Regel gutartig | Oft keine Kontrolle, je nach Einzelfall |
| IIF | Meist gutartig, aber Kontrolle sinnvoll | Verlaufskontrollen (häufig erste Kontrolle nach Monaten, dann ggf. über mehrere Jahre) |
| III | Unklarer Befund, Risiko höher | Urologische Abklärung, häufig operative Therapieempfehlung |
| IV | Hoher Verdacht auf Tumor | Urologische Therapieplanung (meist Operation) |
Die Behandlung richtet sich nach zwei Fragen: Macht die Zyste Beschwerden? und Wie sicher ist die Gutartigkeit in der Bildgebung?
„IIF“ bedeutet: Kontrollieren, statt sofort behandeln. Üblich sind bildgebende Kontrollen in Abständen, die Ihre Ärztin oder Ihr Arzt anhand von Größe, Aussehen, Alter, Vorerkrankungen und der eingesetzten Methode festlegt.
Gut zu wissen: Verlaufskontrollen sind kein Zeichen, dass „etwas übersehen wurde“, sondern ein geplanter Sicherheitsmechanismus, wenn ein Befund nicht zu 100 Prozent eindeutig ist.
Große oder ungünstig liegende Zysten können Schmerzen verursachen oder den Harnabfluss stören. Dann kann eine Behandlung sinnvoll sein, auch wenn die Zyste gutartig wirkt.
Bei Bosniak III und insbesondere Bosniak IV wird eine urologische Vorstellung empfohlen. In aller Regel steht dann eine operative Behandlung im Raum, weil das Risiko einer bösartigen Veränderung relevant sein kann und Bildgebung allein nicht immer die letzte Sicherheit liefert.
Eine Nierenzyste ist ein häufiger Zufallsbefund und in den meisten Fällen gutartig. Die Bosniak-Klassifikation hilft, zystische Veränderungen anhand der Bildgebung verständlich zu ordnen und das weitere Vorgehen zu planen. Entscheidend sind Merkmale wie Wand, Septen, Verkalkungen und vor allem die Frage nach Kontrastmittelaufnahme. Viele Befunde brauchen keine Behandlung, Bosniak IIF wird meist kontrolliert, und bei Bosniak III–IV ist eine urologische Vorstellung notwendig. Moderne Bildgebung schafft heute eine hohe diagnostische Sicherheit, und ein strukturierter Kontrollplan sorgt dafür, dass Sie nicht mit Unsicherheit allein bleiben.
Medizinisch geprüft von Dr. med. D. Schroth, Facharzt für Radiologie · Zuletzt aktualisiert am 30. Januar 2026