Nebennieren-Inzidentalom im CT oder MRT entdeckt? Lesen Sie, was der Zufallsbefund bedeutet und wann weitere Abklärung nötig ist.
23. Januar 2026
Sie hatten eine CT- oder MRT-Untersuchung des Bauchraums. Vielleicht wegen unklarer Beschwerden, zur Verlaufskontrolle oder im Rahmen einer Vorsorge. Im Befund lesen Sie plötzlich: „Inzidentalom der Nebenniere“. Viele Patientinnen und Patienten fragen sich in diesem Moment, ob es sich um einen Tumor handelt oder sogar um Krebs.
Diese Sorge ist nachvollziehbar. Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen, dass ein Inzidentalom der Nebenniere in den meisten Fällen harmlos ist. Der Begriff beschreibt in erster Linie nur, dass es sich um einen zufallsbefund handelt, er ist keine genaue Diagnose. In diesem Artikel erklären wir, was ein Nebennieren-Inzidentalom bedeutet, welche Symptome auftreten können, wie die radiologische Abklärung erfolgt und wann eine Behandlung notwendig ist.
Ein Inzidentalom der Nebenniere verursacht meist keine Beschwerden. Genau deshalb handelt es sich in der Regel um einen Zufallsbefund. Die häufigste Ursache ist ein gutartiges Nebennierenadenom, das keine Hormone bildet und keinen Krankheitswert hat.
In einem kleineren Teil der Fälle produziert die Nebenniere jedoch vermehrt Hormone. Dann können Symptome auftreten, die oft schon länger bestehen und bisher nicht eindeutig zugeordnet werden konnten:
Diese Beschwerden sind unspezifisch und haben viele mögliche Ursachen. Ein Inzidentalom erklärt Symptome daher nicht automatisch, sondern muss immer im Gesamtzusammenhang betrachtet werden.
Gut zu wissen: Die große Mehrheit der Nebennieren-Inzidentalome ist hormonell inaktiv und bleibt beschwerdefrei.
Die Bildgebung ist der Ausgangspunkt der Diagnose. Meist wird ein Nebennieren-Inzidentalom erstmals in einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) entdeckt, die aus einem ganz anderen Anlass durchgeführt wurde.
Aus radiologischer Sicht geht es dann vor allem um eine zentrale Frage: Spricht das Erscheinungsbild für eine gutartige Veränderung oder gibt es Hinweise auf einen behandlungsbedürftigen Tumor?
Um diese Frage zu beantworten, beurteilen Radiologinnen und Radiologen mehrere Aspekte gleichzeitig. Dazu zählen die Größe der Veränderung, ihre innere Struktur und Gewebedichte sowie das Verhalten nach Gabe von Kontrastmittel. Sehr hilfreich ist auch der Vergleich mit früheren Untersuchungen, falls solche vorliegen. Ein Befund, der über Jahre unverändert bleibt, ist fast immer gutartig.
In vielen Fällen zeigen sich typische Merkmale eines gutartigen Adenoms, sodass bereits anhand der Bildgebung Entwarnung gegeben werden kann. Ergänzend wird in der Regel eine hormonelle Abklärung durchgeführt, um sicher auszuschließen, dass die Nebenniere unbemerkt zu viele Hormone produziert.
Im Rahmen dieser Abklärung werden auch andere, deutlich seltenere Ursachen mitbedacht. Dazu gehören:
Es handelt sich hierbei um deutlich seltenere Ursachen von Raumforderungen der Nebenniere, die zwar insgesamt gesehen relativ unwahrscheinlich sind, aber aufgrund der damit verbundenen Konsequenzen sicher ausgeschlossen werden müssen.
Einordnung: Dass verschiedene mögliche Diagnosen bedacht und diskutiert werden, ist Teil einer sorgfältigen und sicheren Abklärung.
Die Behandlung richtet sich nicht nach dem Begriff „Inzidentalom“, sondern nach den Ergebnissen der Bildgebung und der hormonellen Untersuchungen. In der Mehrzahl der Fälle ist keine Therapie notwendig.
Ein abwartendes Vorgehen ist üblich, wenn die Veränderung klein ist, typische Merkmale eines gutartigen Adenoms zeigt und keine hormonelle Überfunktion nachweisbar ist. In solchen Situationen sind entweder gar keine Kontrollen erforderlich oder es wird einmalig eine Verlaufskontrolle empfohlen, um zusätzliche Sicherheit zu gewinnen.
Eine operative Entfernung der Nebenniere wird nur dann erwogen, wenn tatsächlich eine hormonelle Überproduktion besteht, der Befund im Verlauf deutlich wächst oder bildgebend ein begründeter Verdacht auf eine bösartige Erkrankung besteht. Auch hier gilt: Ein Tumor der Nebenniere bedeutet nicht automatisch Krebs. Bösartige Veränderungen sind selten und zeigen oft klare Warnzeichen.
Wichtig: Nicht der Begriff „Inzidentalom“, sondern die genaue Einordnung entscheidet über das weitere Vorgehen.
Ein Inzidentalom der Nebenniere ist in den meisten Fällen ein harmloser Zufallsbefund. Häufig handelt es sich um ein gutartiges Adenom ohne Krankheitswert. Moderne Bildgebung und gezielte Hormonuntersuchungen ermöglichen eine sehr sichere Abgrenzung gegenüber seltenen, ernsteren Ursachen. Nur wenige Betroffene benötigen eine Behandlung oder Operation. Entscheidend ist eine ruhige, fachkundige Einordnung, die Sicherheit gibt und unnötige Sorgen vermeidet.
Medizinisch geprüft von Dr. med. D. Schroth, Facharzt für Radiologie · Zuletzt aktualisiert am 23. Januar 2026