Synonyme: Marklagerveränderungen, White Matter Hyperintensities, WMH, weiße Flecken im Gehirn
Marklagerläsionen sind umschriebene Signalveränderungen in der weißen Substanz des Gehirns. Sie werden meist in der Magnetresonanztomographie (MRT) erkannt und erscheinen in bestimmten Sequenzen als helle Punkte oder Flächen. Der Begriff beschreibt zunächst ein Bildmerkmal und noch keine bestimmte Erkrankung.
Als Marklager wird die weiße Substanz des Gehirns bezeichnet. Dort verlaufen zahlreiche Nervenfasern, die verschiedene Bereiche des Gehirns miteinander verbinden. Veränderungen in diesem Gewebe können je nach Ursache, Lage und Ausmaß sehr unterschiedlich zu bewerten sein.
Diese Formulierung bedeutet, dass auf den MRT-Aufnahmen einige kleine Signalauffälligkeiten gesehen wurden, deren Erscheinungsbild keiner einzelnen Ursache eindeutig zugeordnet werden kann. „Unspezifisch“ heißt nicht automatisch gefährlich, sondern zunächst nur, dass das Bildmerkmal allein keine abschließende Diagnose erlaubt.
Kleine Marklagerläsionen kommen mit zunehmendem Alter häufiger vor und können auch zufällig entdeckt werden. Entscheidend ist, ob ihre Anzahl, Lage und Form zum Alter und zur medizinischen Vorgeschichte passen.
Eine häufige Ursache sind Veränderungen kleiner Blutgefäße im Gehirn, die als Mikroangiopathie bezeichnet werden. Dabei spielen unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen und andere Gefäßrisikofaktoren eine Rolle.
Marklagerläsionen können außerdem bei Migräne, entzündlichen oder demyelinisierenden Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose, nach Durchblutungsstörungen oder seltener bei anderen neurologischen Erkrankungen auftreten. Das Verteilungsmuster ist für die Unterscheidung oft wichtiger als die bloße Anzahl der Läsionen.
Nicht jeder helle Fleck im MRT ist ein Hinweis auf Multiple Sklerose. Für die radiologische Einordnung sind vor allem Lage, Form und Verteilung der Läsionen wichtig. Bei Multipler Sklerose finden sich Veränderungen häufiger in charakteristischen Regionen, beispielsweise unmittelbar an den Hirnkammern, an der Hirnrinde, im Balken, im Hirnstamm oder Kleinhirn. Auch Rückenmark und Sehnerv können betroffen sein.
Ein einzelner unspezifischer Herd reicht für die Diagnose einer Multiplen Sklerose nicht aus. Entscheidend ist die gemeinsame Beurteilung des MRT-Musters, möglicher neurologischer Beschwerden und gegebenenfalls weiterer Untersuchungen.
Werden MS-typische Veränderungen zufällig entdeckt, obwohl bislang keine passenden neurologischen Beschwerden aufgetreten sind, kann in bestimmten Konstellationen von einem radiologisch isolierten Syndrom (RIS) gesprochen werden.
Wie sich Marklagerläsionen bei Migräne, Gefäßveränderungen und Multipler Sklerose unterscheiden können, erklären wir ausführlicher in unserem Beitrag Marklagerläsionen im Kopf-MRT: Migräne, Gefäße oder MS?.
Nein. Punktförmige Marklagerläsionen sind nicht automatisch ein Tumor. Tumoren zeigen meist zusätzliche Merkmale, beispielsweise eine raumfordernde Wirkung, eine bestimmte Form, eine Kontrastmittelaufnahme oder begleitende Gewebeveränderungen.
Nicht immer. Kontrastmittel kann zusätzliche Informationen liefern, wenn beispielsweise eine aktive entzündliche Erkrankung oder eine andere spezielle Ursache vermutet wird. Bei wenigen eindeutig unspezifischen Veränderungen ist eine erneute MRT-Untersuchung allein zur Kontrastmittelgabe dagegen nicht automatisch erforderlich.
Ob Kontrastmittel sinnvoll ist, hängt von der konkreten Fragestellung, dem vorhandenen MRT-Muster und den bereits durchgeführten Sequenzen ab.
Die weitere Einordnung richtet sich nach Alter, Beschwerden, neurologischer Untersuchung, Gefäßrisikofaktoren und dem genauen MRT-Muster. Je nach Situation können eine Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker, eine neurologische Untersuchung, zusätzliche MRT-Sequenzen oder eine Verlaufskontrolle empfohlen werden.
Frühere Aufnahmen sind besonders hilfreich. Sie zeigen, ob die Marklagerveränderungen neu hinzugekommen, unverändert geblieben oder deutlich fortgeschritten sind.
Marklagerläsionen lassen sich nur im Zusammenhang mit ihrer Verteilung, den übrigen MRT-Sequenzen und Ihrer Vorgeschichte sinnvoll beurteilen. Eine spezialisierte neuroradiologische Zweitbeurteilung kann helfen, unspezifische oder gefäßbedingte Veränderungen von abklärungsbedürftigen Mustern zu unterscheiden.
Medizinisch geprüft von Dr. med. D. Schroth, Facharzt für Radiologie · Zuletzt aktualisiert am 9. August 2026
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