Synonyme: RIS, Radiologically Isolated Syndrome, radiologisch isoliertes Syndrom
Das radiologisch isolierte Syndrom (RIS) bezeichnet eine besondere Konstellation, bei der in der Magnetresonanztomographie (MRT) Veränderungen gefunden werden, die für eine entzündliche Demyelinisierung typisch erscheinen, obwohl die betroffene Person bislang keine für eine Multiple Sklerose (MS) typischen klinischen Beschwerden hatte.
Die Veränderungen werden häufig zufällig entdeckt, beispielsweise wenn ein Kopf-MRT aus einem anderen Grund durchgeführt wird.
Ein radiologisch isoliertes Syndrom darf nicht allein aufgrund einzelner unspezifischer weißer Flecken im Gehirn angenommen werden. Entscheidend ist ein für eine entzündliche Demyelinisierung charakteristisches Bildmuster.
Für die diagnostische Einordnung werden unter anderem Lage und Verteilung der Läsionen, Veränderungen in späteren MRT-Untersuchungen, mögliche Läsionen des Rückenmarks und bestimmte Befunde aus dem Nervenwasser berücksichtigt.
Die diagnostischen Kriterien für das RIS wurden in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Deshalb sollte die Einordnung durch Ärztinnen und Ärzte mit entsprechender neurologischer und neuroradiologischer Erfahrung erfolgen.
Bei einem möglichen RIS wird darauf geachtet, ob Marklagerläsionen in Regionen auftreten, die auch bei Multipler Sklerose typisch sein können. Dazu gehören unter anderem Bereiche unmittelbar an den Hirnkammern, an der Hirnrinde, im Hirnstamm oder Kleinhirn sowie das Rückenmark.
Einzelne kleine und unspezifisch verteilte Marklagerveränderungen entsprechen dagegen nicht automatisch einem radiologisch isolierten Syndrom.
Bei einem bestätigten oder begründeten Verdacht auf ein RIS können MRT-Verlaufskontrollen eine wichtige Rolle spielen. Dabei wird geprüft, ob neue T2-Läsionen auftreten oder Veränderungen Kontrastmittel aufnehmen.
Solche Veränderungen können Hinweise auf eine entzündliche Krankheitsaktivität geben und die weitere neurologische Einordnung beeinflussen.
Das weitere Vorgehen richtet sich nach dem individuellen MRT-Muster und weiteren Risikomerkmalen. Häufig ist eine spezialisierte neurologische Abklärung sinnvoll. Je nach Situation können zusätzliche MRT-Untersuchungen des Gehirns oder Rückenmarks sowie weitere diagnostische Untersuchungen erforderlich sein.
Ein RIS-Befund sollte weder mit einer gesicherten Multiplen Sklerose gleichgesetzt noch als bedeutungslos abgetan werden. Entscheidend ist eine strukturierte Einordnung des gesamten Befundes.
Wird in Ihrem MRT ein radiologisch isoliertes Syndrom oder ein MS-verdächtiges Läsionsmuster diskutiert, kann eine erneute neuroradiologische Beurteilung der vollständigen Originalaufnahmen helfen, Lage, Form und Verteilung der Veränderungen sowie vorhandene Voraufnahmen gezielt zu überprüfen.
Medizinisch geprüft von Dr. med. D. Schroth, Facharzt für Radiologie · Zuletzt aktualisiert am 9. August 2026