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Kreuzbandriss am Knie: Was zeigt das MRT und wie geht es weiter?

Kreuzbandverletzung nach Skiunfall oder Sport: Was das MRT zeigt, wie sicher die Diagnose ist und welche Behandlungsschritte typischerweise folgen.

Kreuzbandverletzung am Knie: Was zeigt das MRT und wie geht es weiter?

Herr Müller, 36 Jahre, stürzt beim Skifahren. Das rechte Knie verdreht sich, kurz darauf spürt er einen deutlichen Schmerz. Noch am selben Tag schwillt das Knie an. In den nächsten Tagen wird das Gehen wieder besser, aber bei Drehbewegungen fühlt sich das Knie unsicher an. Im Krankenhaus war das Röntgen unauffällig. Der Verdacht lautet: Verletzung des vorderen Kreuzbandes, vielleicht auch des Innenbandes oder des Meniskus. Das MRT ist bereits gemacht, aber der Besprechungstermin lässt auf sich warten.
Herr Müller fragt sich: Was genau sieht man im MRT? Ist es ein Anriss oder ein kompletter Riss? Und was passiert als Nächstes?

In diesem Artikel erklären wir den typischen Ablauf von Symptomen über Diagnose und MRT bis zur Behandlung bei einer Kreuzbandverletzung.

Typische Symptome einer Kreuzbandverletzung

Das vordere Kreuzband ist ein wichtiger Stabilisator des Kniegelenks. Es verhindert, dass das Schienbein nach vorne rutscht und stabilisiert das Knie bei Drehbewegungen. Wird es verletzt, verlaufen die Beschwerden oft in mehreren Phasen.

Bei Herrn Müller passt dieses Muster gut: zunächst Schwellung und Schmerzen, später vor allem ein Gefühl der Unsicherheit und Instabilität. Das ist typisch, aber nicht beweisend. Ähnliche Beschwerden können auch bei Meniskusverletzungen oder Seitenbandverletzungen auftreten. Deshalb folgt als nächster Schritt eine strukturierte Diagnostik.

Gut zu wissen: Dass das Gehen nach einigen Tagen wieder besser wird, schließt einen Kreuzbandriss nicht aus. Die Instabilität zeigt sich häufig erst bei anspruchsvolleren Bewegungen.

Diagnose: Untersuchung und warum das MRT so wichtig ist

In der Praxis läuft die Abklärung meist in drei Schritten ab: Anamnese (Unfallhergang und Beschwerden), klinische Untersuchung (Stabilitätstests) und Bildgebung.

Klinische Untersuchung: Was wird getestet?

Orthopädinnen und Orthopäden prüfen unter anderem, ob das Schienbein im Vergleich zum gesunden Knie vermehrt nach vorn verschieblich ist oder ob eine Rotationsinstabilität besteht. Häufig werden der Lachman-Test, der vordere Schubladentest und der Pivot-Shift-Test eingesetzt. In der Akutphase kann die Untersuchung durch Schmerzen und Schwellung erschwert sein.

Bei Herrn Müller ergab die Erstuntersuchung im Krankenhaus Hinweise auf eine Kreuzbandverletzung. Aus diesem Grund wurde zur genaueren Abklärung eine weiterführende Bildgebung veranlasst.

Warum zuerst Röntgen und dann MRT?

Ein Röntgen zeigt das Kreuzband nicht direkt, ist aber wichtig, um knöcherne (Begleit-)verletzungen auszuschließen. Nicht nur kann das Kreuzband knöchern ausreißen, bestimmte knöcherne Verletzungsmuster lassen bereits im Röntgenbild auf eine darüber hinausgehende Verletzung weiterer Strukturen im Kniegelenk schließen.

Das MRT ist die wichtigste Untersuchung, wenn es um Bänder, Menisken, Knorpel und typische Knochenprellungen geht. In bestimmten Situationen kann auch eine CT ergänzen, vor allem wenn ein knöcherner Ausriss genauer charakterisiert werden soll. Für die Beurteilung des Bandapparats ist jedoch das MRT am aussagekräftigsten.

Gut zu wissen: Das MRT beantwortet nicht nur die Frage „Ist das vordere Kreuzband verletzt?“, sondern häufig auch „Welche Strukturen sind zusätzlich betroffen?“ Genau das ist später für die Therapieplanung entscheidend.

Was zeigt das MRT bei einem Kreuzbandriss?

Radiologisch unterscheidet man im MRT zwischen primären Zeichen (direkt am Band) und sekundären Zeichen (indirekte Hinweise im Knie).

1) Primäre MRT-Zeichen: Was am Kreuzband selbst auffällt

Viele Risse liegen im mittleren Bandabschnitt. Bei Teilrupturen können noch Faseranteile erhalten sein. Dann ist die Abgrenzung schwieriger, weil Schwellung und Einblutungen das Signal verändern.

2) Sekundäre MRT-Zeichen: Indirekte Hinweise, die die Diagnose stützen

Bei Herrn Müller zeigt das MRT genau diese typische Kombination aus Unterbrechung des vorderen Kreuzbandes und zum Unfallmechanismus passenden Knochenprellungen.

Typischer MRT-Befund Was das für den weiteren Verlauf bedeuten kann
Klare Faserunterbrechung des vorderen Kreuzbands Spricht stark für eine vollständige Ruptur oder hochgradige Verletzung. Die Therapie richtet sich zusätzlich nach Instabilität, Aktivitätsniveau und Begleitverletzungen.
Deutlich erhöhtes Signal, Band teilweise erhalten, Verlauf eher noch straff Passt eher zu Teilruptur oder Zerrung. Klinische Stabilität und Verlauf sind entscheidend.
Typische Knochenprellungen Unterstützen die Diagnose und erklären häufig einen Teil der Schmerzen über Wochen.
Meniskusriss / meniskusnahe Verletzung Kann Beschwerden verstärken und beeinflusst häufig die Entscheidung zur operativen Therapie.
Mitverletzung von Innen- oder Außenband Kann zusätzliche Stabilitätsprobleme verursachen. Wird je nach Ausmaß oft zunächst konservativ behandelt.
Gut zu wissen: Das MRT zeigt die Anatomie sehr genau. Die Frage „Wie stabil ist mein Knie im Alltag?“ wird zusätzlich in der Untersuchung beantwortet.

Wie geht es nach dem MRT weiter? Typischer Ablauf von Therapie und Entscheidung

Nach dem MRT folgt meist die Befundbesprechung. Hier werden drei Fragen systematisch geklärt: (1) Wie ausgeprägt ist die Kreuzbandverletzung? (2) Welche Begleitverletzungen liegen vor? (3) Welche Anforderungen haben Sie im Alltag und im Sport?

Bei Herrn Müller könnte das Gespräch so aussehen: Das MRT zeigt eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes, bis auf eine leichte Zerrung des Innenbandes konnten keine weiteren Verletzungen nachgewiesen werden.

Grundsätzlich bestehen zur Therapie zwei Optionen: eine rein konservative Behandlung bestehend aus vorübergehender Entlastung und im weiteren Verlauf gezielter Physiotherapie sowie eine Operation zur Rekonstruktion des gerissenen Kreuzbands.

Konservative Behandlung (ohne Operation)

Eine konservative Therapie kann sinnvoll sein, wenn das Knie im Alltag ausreichend stabil ist, keine höhergradige sportliche Belastung geplant wird oder wenn eine Teilruptur vorliegt, die funktionell kompensiert werden kann. Auch das Patientenalter spielt hierbei eine Rolle. Typische Bausteine eines konservatien Procederes sind:

Operative Behandlung (Kreuzbandrekonstruktion)

Eine Operation wird häufiger erwogen, wenn:

Aufgrund seines relativ jungen Alters und hohen sportlichen Anspruchs wird bei Herr Müller ein operatives Vorgehen bevorzugt.

Ziel der Rekonstruktion ist vor allem, die Instabilität zu reduzieren und damit Folgeschäden an Meniskus und Knorpel zu vermeiden. Gleichzeitig ist wichtig: Die Operation ist nur der erste Schritt der Behandlung. Der größere Teil ist die Rehabilitation mit strukturiertem Training über mehrere Monate.

Häufige Fragen, die sich auch Herr Müller stellt

Fazit

Eine Kreuzbandverletzung ist häufig gut diagnostizierbar, aber die Bedeutung des Befunds hängt stark von Ihrer funktionellen Stabilität und Ihren Zielen ab. Das MRT zeigt in der Regel sehr zuverlässig, ob das vordere Kreuzband intakt, teilverletzt oder gerissen ist, und ob Meniskus, Seitenbänder oder Knochen mitbetroffen sind. Der typische nächste Schritt ist die strukturierte Besprechung des MRTs und eine Therapieentscheidung, die zur Alltagsbelastung und sportlichen Aktivität passt. Mit moderner Diagnostik und konsequenter Rehabilitation erreichen viele Betroffene wieder eine stabile Belastbarkeit.

Medizinisch geprüft von Dr. med. D. Schroth, Facharzt für Radiologie · Zuletzt aktualisiert am 20. Februar 2026

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